Wann sich die Umrüstung auf Autogas lohnt

Wer sein Fahrzeug auf Autogas umrüstet, fährt in Zukunft sauberer und billiger, ohne nennenswert auf Leistung verzichten zu müssen. Die Umrüstung ist also nicht nur ökologisch, sondern unter bestimmten Bedingungen auch finanziell von Vorteil. Für wen sich der Umbau letztlich lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab, die vor einer Entscheidung beachtet werden sollten.


Grundsätzlich ist die Umrüstung auf Autogas bei allen Benzin- und auch bei Dieselfahrzeugen möglich. Allerdings entsteht bei Dieselmotoren ein weit höherer Aufwand, der sich für Privatfahrzeuge kaum lohnt. Ursache ist das unterschiedliche Prinzip der Zündung. Während der Treibstoff bei Ottomotoren (Benzin) und beim Gas über eine Zündkerze entflammt wird, arbeitet der Diesel mit Selbstentzündung. Dieselfahrzeuge benötigen daher bei der Umstellung auf Gas auch eine neue Zündanlage. Hinzu kommt, dass das Sparpotential bei genügsamen Dieselmotoren vergleichsweise gering ist. Mittlerweile ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt eine Vielzahl von umgerüsteten Fahrzeugen zu finden. In der Datenbank von Autoscout24.de finden sich regelmäßig Fahrzeuge, die auf den Antrieb mit Autogas umgerüstet wurden.

 

Was ist Autogas?

  • Autogas ist ein Flüssiggas aus Propan und Butan, das unter dem Kürzel „LPG“ für „Liquified Petroleum Gas“ bekannt ist. Es entsteht als Nebenprodukt bei der Erdgas- beziehungsweise Erdölförderung und bei der Herstellung von Mineralölen, also Benzin und Diesel.
  • Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dieses Gas lange Zeit nicht genutzt, kommt inzwischen aber mehr und mehr als Kraftstoff zum Einsatz.
  • Ganz neu ist diese Entwicklung nicht: Die erste Gas-Tankstelle in Deutschland wurde schon vor fast 80 Jahren eröffnet. Inzwischen sind mehr als 6.600 weitere hinzugekommen.

Wie funktioniert die Umrüstung?

  • Die LPG-Anlage, bestehend aus einem Tank, dem Verdampfer und einer Leitung, wird zusätzlich in das Fahrzeug eingebaut. Der Motor kann daher wahlweise mit Benzin oder mit Gas versorgt werden.
  • Die Umschaltung erfolgt automatisch oder über einen Schalter am Armaturenbrett des Fahrzeugs. Der Füllstand des Gastanks lässt sich über eine eigene Anzeige ablesen. Je nach Größe des Tanks reicht eine Füllung für 300 bis 1000 Kilometer.
  • Das Auto startet im Benzinbetrieb. Sobald im Verdampfer der Gasanlage eine bestimmte Temperatur erreicht ist, erfolgt automatisch der Wechsel in den Gasbetrieb. Die Temperatur zur Umstellung liegt je nach Hersteller bei 15 bis 30 Grad Celsius und wird bereits nach wenigen Metern erreicht.

Welche Vorteile hat LPG?

  • Im Vergleich zu Benzin verbrennt LPG schadstoffärmer. Die CO²-Belastung sinkt so um rund 15 Prozent, wobei zugleich nur ein Fünftel der Schadstoffe (Stickoxide) freigesetzt werden.
  • Für den Autofahrer ist die Betankung mit LPG zugleich deutlich preisgünstiger. Stand Mai 2013 liegt der Durchschnittspreis für einen Liter LPG bei 77 Cent. Das entspricht ziemlich exakt der Hälfte der Kosten für einen Liter Superbenzin. Da für LPG bis mindestens Ende 2018 ein reduzierter Energiesteuersatz gilt, dürfte diese Schwere in den kommenden Jahren eher weiter auseinandergehen, als sich zu schließen. Der mögliche Wiederverkaufswert des Fahrzeugs steigt durch die Umrüstung.

Welche Nachteile hat LPG?

  • Neben den Kosten für die Umrüstung, die je nach Fahrzeug zwischen 1.300 und 3.500 Euro liegen, entstehen weitere Kosten von rund 100 bis 150 Euro bei der vorgeschriebenen Wartung, die alle 20.000 bis 25.000 Kilometer erfolgen muss. 
  • Nachteilig ist auch der Platzbedarf des Gastanks, der meist im Kofferraum des Fahrzeugs eingebaut wird. Allerdings genügt in vielen Fällen der Raum, den bisher das Reserverad eingenommen hat. Die Einschränkungen für die Gepäck-Beförderung halten sich also in engen Grenzen.
  • Noch immer gibt es einige Parkhäuser, die mit einem gasbetriebenen Fahrzeug nicht genutzt werden dürfen. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren jedoch rapide gesunken. Gibt es Einschränkungen, stammen diese meist nicht vom Gesetzgeber, sondern vom Betreiber des Parkhauses. 

Vorurteile und Erfolge

  • In den vergangenen Jahren wurde immer wieder Kritik an LPG laut, die entweder unbegründet war oder von der Entwicklung überholt wurde. So stimmt es nicht, dass Autogas im Falle eines Unfalls ein erhöhtes Risiko bedeutet Die eingebauten Sicherheitssysteme, die alle 2 Jahre vom TÜV überprüft werden, verhindern dies zuverlässig, beispielsweise indem das Gas kontrolliert abgelassen wird.
  • Auch die geringe Tankstellendichte ist inzwischen kein Argument mehr. Natürlich gibt es noch immer weniger Zapfstellen für Gas als für Super und Diesel, das Netz ist jedoch völlig ausreichend.  
  • Ähnliches gilt für Berichte über Motorschäden durch Gas. Diese sind zwar vorgekommen, bilden jedoch die absolute Ausnahme. Werkstätten, die eine Umrüstung vornehmen, stellen im Zweifelsfall Unbedenklichkeitsbescheinigungen für das jeweilige Fahrzeug aus.

Die Gretchenfrage: Wann amortisiert sich die Umrüstung?

  • Im Detail hängt die Antwort vom Fahrzeugtyp, den gefahrenen Kilometern, dem persönlichen Fahrstil und natürlich auch von der Preisentwicklung für Gas und Benzin ab. Ungeachtet dieser Variablen lassen sich jedoch allgemeine Aussagen treffen.
  • Eine Umrüstung auf Gas wird sich bezahlt machen, wenn Sie, je nach Autotyp, noch mindestens 40.000 bis 90.000 Kilometer mit dem Fahrzeug unterwegs sind. Dabei gilt die Faustregel: Je größer der Wagen und je höher der Benzinverbrauch, um so schnell amortisiert sich die Umrüstung.
  • Der ADAC im April 2013 berechnet, dass man mit einem umgerüsteten Audi A8 4.2 oder einem Ford Galaxy 2.3 V16 bereits nach 41.000 Kilometer ins Plus rollt. Bei einem Smart Fortwo Coupé dauert es dagegen 93.000 Kilometer.
  • Alle anderen der insgesamt 50 vom ADAC untersuchten Modelle ordnen sich zwischen diesen Eckwerten ein – der BMW320i bei 58.000 Kilometern, der Ford Focus 1.6 bei 64.000 und der Mercedes A150 bei 70.000, um drei weitere Beispiele zu nennen. Die Kosten für die Umrüstung wurden bei dieser Berechnung ebenso berücksichtigt wie die Art des Kraftstoffs (Super 1,65 Euro, Super Plus 1,72 Euro, Autogas 0,83 Euro). Für die Umwelt rechnet sich die Umrüstung ab dem ersten Meter. Ein starkes Argument.