Selfish Brain Theorie - Übergewicht besser verstehen

Die Selfish Brain Theorie gibt neue Hoffnung im Kampf gegen Übergewicht. Grundgedanke: Abnehmen beginnt im Kopf. Der Körper muss wieder lernen, seinen Energiereserven auszunutzen.


Allein in Deutschland sind nach offiziellen Schätzungen etwa 39 Millionen Menschen adipös, das heißt krankhaft fettleibig. Schon kleine Kinder beginnen, so Fett anzusetzen. Statt draußen herumzutollen, wird mit der Playstation oder am PC gespielt. Damit das nicht langweilig wird, stehen knackige Chips und süße Cola jederzeit bereit. Die Erwachsenen machen es vor, zum spannenden Krimi gehören die Naschereien einfach dazu. Ein deutscher Hirnforscher behauptet jetzt, dass wir gar nichts dafür können, dass wir immer mehr Fett und Zucker in uns hineinstopfen. Der Schuldige ist vielmehr unser Gehirn.

Neue Erklärungen für Übergewicht

  • Der Lübecker Neurologe Achim Peters entwickelt mit seiner Selfish Brain Theorie eine innovative Erklärung für krankhafte Fettleibigkeit, nach der eine Störung in der Energieversorgung des Gehirns dafür verantwortlich sein soll, dass viele Menschen viel zu viele Extra Kilos mit sich herumschleppen. Auch eine Erklärung für den Diabetes Typ II könnte die neue Theorie sein.
  • Das Gehirn verbraucht von allen Organen im Körper am meisten Energie. Von der durch die Nahrung in den Körper aufgenommenen Energielieferanten Glukose (Traubenzucker) nimmt es etwa 50 Prozent in Anspruch, in Stresssituationen sogar bis zu 90 Prozent.
  • In einem gesunden Organismus entzieht das Gehirn den anderen Organen so viel Glukose, dass es den eigenen hohen Bedarf daran decken kann und ist insofern selbstsüchtig. In einem an Adipositas erkrankten Körper jedoch ist diese vom Gehirn organisierte Umverteilung gestört. Es entsteht ein Stau in der Energie-Lieferkette.
  • Nur ein geringer Teil der Glukose gelangt ins Gehirn und lagert sich stattdessen im Fett- und Muskelgewebe an. Da das Gehirn von akuter Unterversorgung bedroht ist, wird Energie durch vermehrte Nahrungsaufnahme beschafft. Das heißt nichts anderes, als dass unser Gehirn sagt: Iss mehr! Da Süßes und Fettes schneller zu beschaffen ist und für ein gutes Gefühl sorgen, hat eine kontrollierte gesunde Nahrungsaufnahme kaum mehr eine Chance.

Folgen von Stress und neue Therapiemöglichkeiten

  • Stress ist besonders fatal, denn hierbei gelangt keine Glukose aus der Nahrung mehr ins Gehirn, die grauen Zellen geben gleich den Befehl, für Nachschub zu sorgen. Zudem verbraucht das Hirn viel mehr Glukose als gewöhnlich, sodass Betroffene oft zunächst Gewicht verlieren.
  • Folgt man dem Befehl des Gehirns und isst etwas, hat das langfristige Nebenwirkungen. Man wird zum einen immer dicker und lernt, dass Essen Beruhigung verschafft, denn durch die Nahrungsaufnahme lässt die Anspannung nach. Besonders Menschen, die dazu neigen, ihren Problemen aus dem Weg zu gehen, greifen in Stresssituationen schnell zum hochkalorischen Beruhigungssnack.
  • Nun arbeitet ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Peters an neuen Therapieformen gegen die Volkskrankheit Nummer eins. Grundlage ist die Selfish Brain Theorie. Abnehmen entsteht im Kopf, heißt es so schön und hier muss auch eine Diät ansetzen.
  • Der Körper muss wieder darauf trainiert werden, die Glukose aus den Energiespeichern zu holen anstatt aus dem Gehirn. Außerdem müssen Betroffene lernen, Probleme nicht mehr anzufressen, sondern sie aktiv anzugehen. „Train the brain“ ist die Formel, die zum Erfolg führen soll.